Arbeiten im Homeoffice - in der Druckbranche möglich?

Immer mehr Menschen arbeiten von zuhause aus, im sogenannten “Homeoffice”. Das Verlagern des Arbeitsplatzes vom Büro in die eigene vier Wände ist umstritten, es gibt viele Befürworter, aber auch Gegner dieses Arbeitsmodells. Und doch belegen viele Studien: Arbeiten im Homeoffice steigert häufig die Produktivität und Effektivität der Mitarbeiter. Entgegen aller Mythen, wird man also nicht fürs Nichtstun bezahlt. Im Gegenteil. Aber ist die Homeoffice-Variante auch für die Druckbranche denkbar?

Homeoffice für Druckereimitarbeiter?

Diese Frage lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten. Generell ist die Homeoffice-Arbeit für jede Branche möglich, sofern die Mitarbeiter für bestimmte Aufgaben nicht vor Ort sein müssen. Klar kann das auf die Druckbranche bezogen nicht immer funktionieren: Ein Drucker an der Offsetmaschine kann diese Arbeit nur schwer von zuhause aus verrichten.

Andere Bereiche hingegen, wie der Einkauf, das Controlling oder die Buchhaltung können durchaus auch ihre Tätigkeiten von zuhause aus erbringen. Aber auch das Marketing oder der Außendienstler müssen nicht immer vor Ort in der Druckerei sein.

Die Voraussetzungen müssen stimmen

Um zu sehen, ob ein Arbeitnehmer im Homeoffice einsetbar ist, gilt es zunächst, die Bedingungen und Voraussetzungen zu klären. Sie als Chef fragen sich vielleicht, warum denn ihr Angestellter gerne im Homeoffice arbeiten möchte. Führen Sie ein Gespräch mit ihm und fragen nach seinen Beweggründen. Vielleicht hat er momentan unter einer Ausnahmesituation zu leiden, weil die Nanny gerade krank ist und keiner auf die Kinder aufpassen kann. In so einem Fall wäre der Mitarbeiter nur eine zeitlang nicht vor Ort, und sofern dies mit seinen Aufgaben umsetzbar ist, warum nicht?

Möchte ein Arbeitnehmer hingegen feste Tage, z.B. aufgrund von Konzentrations- oder Motivationsproblemen vor Ort, ist auch hier die Homeoffice Variante nicht verkehrt. Natürlich ist es wichtig, dass Sie vorher die Arbeitsplanung ansehen und diese ggf. umstrukturieren. Zudem sollten immer auch Regeln festgelegt werden: Feste Tage, das Feststellen der verrichteten Arbeitszeit (z.B. mit Hilfe eines Zeittracking-Tools) oder auch die Erreichbarkeit muss im Vorfeld besprochen und geregelt werden. Mit festen Vorgaben ist es für beide, Chef und Mitarbeiter, nachher leichter, die Arbeit zu bewerten.

Vorteile des Homeoffice

Viele Menschen denken, wenn sie sich mit dem Thema Homeoffice noch nicht weiter beschäftigt haben, dass das Modell nicht funktionieren kann. “Da tut man doch nichts und lässt sich ständig ablenken!”

Doch genau das Gegenteil ist häufig der Fall: Studien belegen, dass Arbeitnehmer im Homeoffice oft viel effektiver und motivierter arbeiten. Dies hat verschiedene Gründe:

Ruhe und keine Unterbrechungen

Zum einen kann der Mitarbeiter ungestört und ohne Geräuschpegel arbeiten. In Großraumbüros ist oft das Problem, dass Mitarbeiter sich nur schlecht konzentrieren können, weil eben doch mal jemand redet oder das Telefon ständig klingelt. Zudem wird man zu hause weniger unterbrochen in seiner Arbeit. Keiner, der mal kurz eine Frage hat, keiner, der mit Ihnen einen Kaffee trinken will. Sie haben Ihre Ruhe und können sich besser konzentrieren.

Steigerung der Kreativität

Aber das ist noch nicht alles. Auch die Kreativität wird in den eigenen vier Wänden häufig gesteigert. Sie haben Ihr gewohntes Umfeld, können sich Ihren Schreibtisch so hinstellen, wie es Ihnen am besten gefällt und Ihnen am meisten Ideen kommen. Außerdem kommt in Ihnen kein Druck oder schlechtes Gefühl hoch, wenn Sie mal kurz aufstehen und den Raum wechseln. Oder eine Runde um den Block gehen. Das kann in Büros schon Mal für irritierte Blicke sorgen oder Getuschel, da Sie ja gar nicht vor Ihrem Schreibtisch sitzen.

Zeit und Geld sparen

Ganz klar hat das Homeoffice auch einen Zeit- und Geldvorteil. Sie sparen Fahrtkosten und Fahrtzeit. Wenn Sie morgens um 6 direkt aufstehen und sich an den Schreibtisch setzen, legen Sie los. Normalerweise wären Sie vielleicht erst um 8 im Büro. Diese zwei Stunden können Sie zusätzlich arbeiten und so noch produktiver werden.

Nach dem eigenen Rhythmus arbeiten

Was bei vielen Unternehmen zudem nicht berücksichtigt wird, ist der innere Arbeitsrhythmus. Jeder Mensch hat Zeiten am Tag, an denen er besser arbeiten und sich konzentrieren kann. Viele haben morgens zwischen 8 und 12 ein Hoch und nach dem Mittagessen ein deutliches tief. Im Homeoffice können Sie Ihr Wissen um Ihren perfekten Arbeitsrhythmus nutzen und sich genau zu den Zeiten hinsetzen, an denen Sie am besten arbeiten können. Das kann im schlimmsten Fall abends um 21 Uhr noch sein, aber dann sitzen Sie immerhin nicht im Büro, sondern zuhause. Und haben dafür vorher vielleicht schon den Einkauf erledigt.

Vereinbarkeit von Job und Familie

Aus Arbeitnehmersicht hat das Homeoffice natürlich auch den entscheidenden Vorteil, dass Beruf und Familie besser vereinbart werden können. Die Kinderbetreuung kann zum Teil von dem Elternteil, der zuhause arbeitet, mit übernommen werden. Oder er ist am Abend einfach schon da, wenn das Kind von der Kita nachhause gebracht wird. Als Büromitarbeiter ist dies nicht immer gegeben. Da kann es auch schon mal sein, dass Papa nicht mitessen kann, weil er wieder überstunden machen muss. Vielen Eltern ist aber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie deutlich wichtiger, als ein hohes Einkommen oder andere Arbeitsvorteile. Daher ist ein (zeitweises) Homeoffice-Modell eine gute Lösung, gerade auch für junge Eltern.

Win-Win für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Es liegt auf der Hand, dass jemand, der weniger Belastung verspürt, besser und entspannter arbeiten kann. Denn der Druck, das Kind noch irgendwie und irgendwo unterzubringen, entfällt. So ist die Konzentration auf die Arbeit dann auch wieder leichter möglich. Der Mitarbeiter wird dem Vorgesetzten für dieses Entgegenkommen so dankbar sein, dass seine Motivation wieder steigt. Und somit hat der Mitarbeiter auch ein positives Bild seiner Firma, bzw. seines Chefs und überlegt sich vielleicht nochmal, doch länger dort zu arbeiten.
Letztendlich bietet das Homeoffice also durchaus eine Win-Win Situation für beide: Chef und Arbeitnehmer.

Fazit

Letztendlich bietet das Arbeiten von zuhause aus viele Vorteile, die auch einem Unternehmen wie einer Druckerei zu Gute kommen können. Natürlich sollte man vorher prüfen, inwieweit die Arbeiten von zuhause aus machbar sind. Doch sicherlich gibt es einige Bereiche in Druckereien, die auch von dem heimischen Schreibtisch aus umsetzbar sind. Vielleicht ist es ja auch für Ihr Unternehmen eine Idee, die Mitarbeiter zu fragen, was Sie von zeitweiser Homeoffice-Arbeit halten. Werden dann doch klare Regeln definiert, steht einer effektiven und motivierten Arbeit, egal von wo aus, nichts mehr im Wege.